Making Of (1) – Qual der Wahl

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1.000 Bilder von der Insel Reichenau – 13 Gallerie-Plätze für die Ausstellung “Reichenau – Zwischen Himmel und See”. Es ist Zeit für eine Entscheidung.

Das heißt erstmal 1.000 Bilder im Format 9×13 bei der Online-Druckerei bestellen. Denn mal ehrlich: 1.000 Bilder am Bildschirm zu sichten, ist einfach uneffektiv. Gedruckt sind die Bilder viel schneller auf
einer großen Fläche zu sichten. Die Wirkung und Komposition der Bilder auf- und zueinander ist viel besser zu erfassen.

So sitzen meine Frau und ich zunächst mal vor einem großen Schuhkarton von 1.000 kleinen Prints. Erster Schritt: Ordnen nach Jahreszeiten. Das ist der Moment, wo Du das erste mal Deine Bilder physisch in die Hand nimmst. Das ist schön. Jedes Bild hat seine Geschichte und Erinnerungen. Und weil es 1.000 Geschichten sind, geht der Abend eigentlich nur dafür drauf, den Frühling und Sommer auszusortieren.

Abend 2: Der Stapel von Bildern über den Reichenauer Herbst und Winter liegt vor uns. Die Longlist steht an. In die schaffen es nur Bilder, die eine Geschichte erzählen oder Gefühle transportieren. Stimmt die Aufnahmequalität? Ist die Perspektive spannend? Das ist der Moment, wo Du als Fotograf beginnst zu leiden. Sich für ein Bild zu entscheiden ist leicht. Ein Bild auszusortieren tut weh. Am zweiten Abend der Entscheidung ist die Flasche Rotwein leer und 60 Bilder haben es auf die Longlist geschafft.

Abend 3: Ich will nicht! Ich mag jedes einzelne von den 60 Bildern. Der Moment der weißen Wand ist gekommen. Nur das Bild, das es am Ende auf den Rauputz schafft, wird für die Ausstellung gedruckt. 60 Bilder in der Hand, stehen wir im Flur unserer Wohnung vor der kahlen Fläche. Die Top 5 ist schnell zusammen. Nach viel Diskussion und Trennungsschmerz schaffen es erstmal 25 an die Wand. Durchatmen, Drüberschlafen. Morgen geht es weiter. So lange bleiben die 25 Bilder an der Wand.

Abend 4-5: Wir laufen zwei Tage lang immer wieder an den Bildern auf und ab. Mit der Zeit werden die Bilder immer wieder neu komponiert. Es wird nach Harmonien und Exzellenz gesucht. Zusammen diskutiert und alleine sinniert. Tatsächlich sind am Schluss noch 15 Bilder übrig. Immer noch zwei zuviel. Letzte Mäkelrunde. Am Ende fallen der Auswahl zwei Top-Bilder zum Opfer.

Die letzten 13 bleiben noch ein paar Tage hängen und wirken auf uns ein.  Wir sind uns einig. Das Schlimmste ist überstanden 😉